Sicherer Umgang mit Desinfektionsmitteln

Der Umgang mit Desinfektionsmitteln ist nicht unproblematisch. Sowohl die Risiken den Brand- und Explosionsschutzes als auch die gesundheitlichen Gefahren müssen berücksichtigt werden.

© DGUV, Dominik Buschardt

Desinfektion zur Vermeidung einer Kontaktinfektion

Gefährdungen im Umgang mit Desinfektionsmitteln an Schulen lassen sich durch einen sachgemäßen Umgang vermeiden. Sachkostenträger und Schulleitung sind in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich dafür verantwortlich, dass die baulich-technischen bzw. organisatorischen Anforderungen aus den unterschiedlichen Rechtsgebieten (Arbeitsschutzgesetz, Gefahrstoffverordnung, DGUV Vorschrift 1) eingehalten werden.

Der (Rahmen-)Hygieneplan des Hessischen Kultusministeriums unterstützt die Schulleitung, den schuleigenen Hygieneplan gemäß Infektionsschutzgesetz an die standortspezifische Situation anzupassen. Ergibt sich aus dem Hygieneplan, dass Desinfektionsmittel zu verwenden sind, sind weitere Schutzmaßnahmen erforderlich, um Gefährdungen für Schüler*innen, Lehrkräfte und weitere Anwender*innen (Schulhausverwaltung oder Reinigungskräfte) zu verhindern. Bei der Festlegung und Umsetzung dieser Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Desinfektionsmitteln in Schulen sind folgende Hinweise und Vorgaben zu beachten:

Welche Hygienemaßnahmen schützen vor Kontaktinfektionen?

Händehygiene

Das regelmäßige Händewaschen mit Wasser und Seife an einem gut ausgestatteten Handwaschplatz ist so wirksam, dass eine zusätzliche Händedesinfektion im Schulbetrieb grundsätzlich nicht notwendig ist. Besteht keine Möglichkeit, sich die Hände gründlich zu waschen, müssen Desinfektionsmittel verwendet werden. Das Desinfizieren der Hände sollte nur in Ausnahmefällen durchgeführt und im schulischen Hygieneplan festgelegt sein.

Flächenreinigung

Für Kontaktflächen ist die Reinigung mit Wasser und fettlösenden, tensidhaltigen Reinigungsmitteln geeignet. Eine routinemäßige, vorsorgliche Flächendesinfektion wird nicht empfohlen. Auch hierfür können Ausnahmen im Hygieneplan der Schule festgelegt werden. Wird eine Desinfektion im Einzelfall als notwendig erachtet, so sollte diese generell als Wischdesinfektion durchgeführt werden. Von einer Sprühdesinfektion ist abzusehen, da Desinfektionsmittel leicht eingeatmet werden können.

Desinfektionsmittel für Hände und Flächen unterscheiden sich in ihren Inhaltsstoffen. Achten Sie zwingend darauf, dass die Nutzung auf den jeweiligen Anwendungsbereich beschränkt bleibt.

Gefährdungen durch den Umgang mit Desinfektionsmitteln

Wirksame Desinfektionsmittel, wie sie auch das RKI empfiehlt, basieren in der Regel auf hochprozentigen Konzentrationen von Ethanol, Propanol oder einer Mischung beider Stoffe. Da beide Alkohole leicht entzündbar sind (Gefahrenhinweis H225), geht von ihnen eine Brand- und Explosionsgefahr aus. Deshalb ist der richtige Umgang mit Desinfektionsmitteln besonders wichtig.

Anwendungsfehler und resultierende Unwirksamkeit

Größere Oberflächen wie Tische und Stühle sollten nicht desinfiziert, sondern mit fettlösendem Haushaltsreiniger abgewaschen werden. Flächendesinfektionsmittel dürfen nur für kleine Flächen in der richtigen Dosierung von unterwiesenem (Reinigungs-)personal verwendet und nicht versprüht werden.

Hautirritationen, Hautkrankheiten, Allergien oder weitere Gesundheitsschäden

Eine übermäßige Nutzung von Desinfektionsmitteln kann zur Schädigung der Haut führen. Durch Desinfektionsmittel werden nicht nur die krankmachenden, sondern auch die natürlichen, gesunden Keime abgetötet. Diese halten den Säureschutzmantel der Haut aufrecht und schützt sie so vorschädlichen Einflüssen.

Auch zu häufiges Waschen mit Wasser und Seife kann zur Schädigung der Haut führen. Daher sollten auch geeignete Mittel zur anschließenden Hautpflege zur Verfügung stehen.

Tipp: Werden Handdesinfektionsmittel an Schüler*innen ausgegeben, sollten die Eltern vorher darüber informiert werden. Es ist nicht abzuschätzen, inwieweit allergische Reaktionen, Hautschädigungen o. ä. auftreten können, beispielsweise wenn bereits eine Unverträglichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe besteht.

Gefahrlosere Alternativen?!

Häufig werden Handgels oder Reinigungstücher wegen des geringeren Alkoholgehalts bevorzugt. Sind diese allerdings nur antibakteriell bzw. bakterizid, sind sie gegen Viren unwirksam. Da die Wirksamkeit bei Coronaviren nur durch einen hohen Alkoholgehalt sichergestellt ist, sind nur Desinfektionsmittel mit der Aufschrift "antiviral", "viruzid", "begrenzt viruzid", "begrenzt viruzid PLUS" oder "(wirkt) gegen behüllte Viren" geeignet, um vor einer Corona-Infektion zu schützen.

Schutzmaßnahmen in der Schule

Umgang mit Desinfektionsmitteln im Sinne des Gefahrstoffrechts

Mittel zur Flächendesinfektion werden als Biozide und solche für die Handdesinfektion als Arzneimittel eingestuft. Da Desinfektionsmittel Alkohol beinhalten, bergen sie eine Brand- und Explosionsgefahr. Dadurch können sie mit Gefahrstoffen gleichgesetzt werden.

Das bedeutet, dass gemäß § 6 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und § 6 Gefahrstoffverordnung GefStoffV eine Gefährdungsbeurteilung mit Informationsermittlung, Ermittlung der Gefährdungen, Festlegung der zur Gefahrenabwehr notwendigen Schutzmaßnahmen, Prüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung erstellt werden muss.

Das Umfüllen von Desinfektionsmittel z. B. von größeren Gebinden in kleinere ist wegen der Zuordnung als Arzneimittel Pharmakolog*innen vorbehalten. Diese Vorgaben sind einzuhalten. Kaufen Sie deshalb Desinfektionsmittel nur in kleinen, leicht zu wechselnden Behältern von bspw. 500 ml Fassungsvermögen, damit sie nicht umfüllen müssen.

Schutz von Schüler*innen, Lehrkräften, Reinigungskräften etc. a

Die geeigneten Schutzmaßnahmen ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung für Schüler*innen und dem Personal (Lehrkräfte, Personal des Sachkostenträgers, Reinigungskräfte). Folgende Maßnahmen sind zu ergreifen:

  • Aufnahme der Desinfektionsmittel in das Gefahrstoffverzeichnis
  • Vorhalten und Zugänglichkeit der zugehörigen Sicherheitsdatenblätter
  • Erstellung der Betriebsanweisungen
  • Unterweisung von Schüler*innen, Lehrkräften und weiterem Schulpersonal vor Aufnahme der Tätigkeit und in regelmäßigen Abständen
  • Information der Eltern, wenn Händedesinfektionsmittel im Ausnahmefall angewendet werden soll
  • Kontrolle der richtigen Verwendung des Handdesinfektionsmittels bei Schüler*innen
  • Bereitstellung Persönlicher Schutzausrüstung für das Reinigungspersonal
  • Erweiterung und Aktualisierung des Hautschutzplanes
  • Überprüfung und bei Bedarf Anpassung arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen
  • Sichere Lagerung der Desinfektionsmittel

Lagerung von Desinfektionsmitteln

Generell gilt: Alle Behälter, die Desinfektionsmittel enthalten, müssen vorschriftsmäßig gekennzeichnet sein, damit eine Verwechslung ausgeschlossen ist. Sie sind vor dem Zugriff von Unbefugten zu schützen.

Wegen der Brand- und Explosionsgefahr muss in der Gefährdungsbeurteilung auch die sichere Lagerung berücksichtigt werden. Für die Lagerung gelten mengenabhängige Lagervorschriften, da die Flüssigkeiten als leicht entzündbar (H225) bzw. entzündbar (H226) Flüssigkeit eingestuft werden.

Die Anforderungen an die Lagerung finden Sie in der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 510. Die geltenden mengenabhängigen Bestimmungen für entzündbare und leicht entzündbare Gefahrstoffe werden dort in Punkt 12 beschrieben. Diese Vorgaben müssen bereits ab einer Lagermenge von 200 kg beachtet werden.

In Schulen, in denen bereits mit Gefahrstoffen unterrichtet wird, können die Desinfektionsmittel evtl. in einem Sicherheitsschrank für Gefahrstoffe (gemäß DIN EN 14470-1 "Feuerwiderstandsfähige Lagerschränke" und einer Feuerwiderstandsfähigkeit von mindestens 90 Minuten) gelagert werden.

Ansonsten sind bei der Lagerung folgende Bedingungen zu erfüllen:

  • Lagermenge auf das notwendige Minimum beschränken
  • Keine Lagerung in Fluren, Gängen, Treppen, Flucht- und Rettungswegen
  • Lagerung in Gebäudeabschnitten mit möglichst geringer Anzahl anwesender Personen
  • Lagerung in einem abgeschlossenen Raum, zu dem nur berechtigtes Personal Zugang hat
  • Lagerraum mit möglichst feuerhemmender Abschirmung gegenüber den Nachbarräumen
  • Ausschluss von Zünd- und Wärmequellen (keine Technikräume)
  • keine wirksamen Zündquellen, wie z. B. Steckdosen, Lichtschalter, Leuchten usw in der Nähe der Lagerbehälter
  • Lagerung daher nur in Räumen mit regelmäßig wiederkehrend geprüfter Elektrik
  • Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung
  • Regelmäßige natürliche oder technische Raumlüftung
  • Keine Zusammenlagerung mit anderen Gefahrstoffen (Ausnahmen möglich)
  • Keine Zusammenlagerung mit brennbaren Materialien oder Gegenständen
  • Lagerung in Auffangwannen, die resistent gegenüber Desinfektionsmitteln sind
  • Ausreichend geeignetes Löschmittel vorhalten

Die Gefährdungsbeurteilung wird unter Umständen ergeben, dass eine Lagerung je nach Mengen in den normalen (Arbeits-)Räumen an Schulen gar nicht möglich ist. Es wird daher empfohlen, den zuständigen vorbeugenden Brandschutz zu kontaktieren.

Fazit:

Der Umgang mit Desinfektionsmitteln ist nicht unproblematisch. Sowohl der Brand- und Explosionsschutz als auch die gesundheitlichen Gefahren müssen berücksichtigt werden.

  • Die Anwendung von Desinfektionsmitteln in Schulen sollte nur auf die im schulischen Hygieneplan vorgesehenen Tätigkeiten beschränkt bleiben.
  • Grundsätzlich ist eine Händedesinfektion nicht notwendig, das richtige Händewaschen mit Wasser und Seife hat eine ausreichend hohe Wirksamkeit.
  • Eine routinemäßige Flächendesinfektion in Schulen wird ebenfalls nicht empfohlen. Die Reinigung aller genutzten schulischen Räume und hoch frequentierten Kontaktflächen kann grundsätzlich mit einem tensidhaltigen Reinigungsmittel erfolgen.
  • Hautpflege ist insbesondere beim Umgang mit Desinfektionsmitteln wichtig, um eine möglich dauerhafte Schädigung der Haut zu vermeiden.
  • Bei falscher Handhabung sind die Desinfektionsmittel unwirksam und führen zur Annahme eines vermeintlichen Infektionsschutzes.
  • Den Schülerinnen und Schülern ist die korrekte Anwendung einer Händedesinfektion altersgerecht von den Lehrkräften zu erläutern.  
  • Der Standort von Desinfektionsmittelspendern ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen. Es darf Schülerinnen und Schülern nicht möglich sein, diese ohne Aufsicht frei zugänglich, unbefugt oder missbräuchlich zu verwenden.
  • Desinfektionsmittel sind vor dem Zugriff von Schülern bzw. unberechtigten Personen sicher aufzubewahren und verschlossen zu lagern.
  • Die räumlichen Gegebenheiten sind per se für die erforderlichen Lagerungsanforderungen nicht immer ausgerichtet. 

Weiterführende Informationen