Lüftung und Raumtemperatur

Stand 19.11.2020

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Raumtemperatur in Klassenräumen

Gilt die Arbeitsstättenverordnung auch für Schüler*innen und Schüler?

Die Arbeitsstättenverordnung gilt für Beschäftigte, nicht aber für Schüler*innen. Diese werden erst durch § 2 der DGUV Vorschrift 1 indirekt in den Geltungsbereich des staatlichen Arbeitsschutzregelwerks einbezogen. Die Empfehlungen lehnen sich aber diesen Regelungen an. 

Empfehlungen, abgeleitet von der Technischen Regel für Arbeitsstätten

Nach der Technischen Regel für Arbeitsstätten (ASR) A3.5 "Raumtemperaturen" soll die Lufttemperatur in Arbeitsräumen bei leichter, sitzender Tätigkeit +20 Grad Celsius betragen. Eine Abweichung nach unten ist möglich, wenn zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden z. B. technische Maßnahmen wie Wärmestrahlungsheizung, organisatorische Maßnahmen wie Aufwärmzeiten und personenbezogene Maßnahmen wie geeignete Kleidung (siehe dazu Abschnitt 4.2 (2) dieser Technischen Regel). Wird die Technische Regel angewendet, kann davon ausgegangen werden, dass die Anforderungen der Verordnung auch erfüllt sind. Wird eine andere Lösung gewählt, muss die gleiche Sicherheit und der gleiche Gesundheitsschutz erreicht werden. Die Werte sind also keine verpflichtenden Vorgaben.  

Es ist technisch kaum möglich, einen Raum bei niedrigen Außentemperaturen während der Lüftungspausen gleichbleibend bei einer Raumtemperatur von +20 Grad Celsius zu halten. Bei einer richtig durchgeführten Stoßlüftung sinkt die Temperatur im Raum nur kurzfristig um 2-3 Grad Celsius. Dies wird durch die gespeicherte Wärme in Wänden, Decken und Böden schnell wieder ausgeglichen wird. Dadurch ist es möglich, durch die in Abschnitt 4.2 (2) genannten Maßnahmen eine kurzzeitige Unterschreitung der Raumtemperatur zu kompensieren. Dies gilt insbesondere für mögliche Bewegungspausen während des Lüftens und wenn geeignete wärmende Kleidung während der Lüftungspausen getragen wird. Diese ist ohnehin vorhanden, da die Schülerinnen und Schüler sie auch für den Schulweg und in den Pausen benötigen.

Lüften in Klassenräumen

Richtiges Lüften reduziert das Infektionsrisiko und die Virenlast in den Klassenräumen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat dazu eine Handreichung zum richtigen Lüften in Schulen erarbeitet.

Die Lüftung der Räume ist auch dann zulässig, wenn die geltende Mindesttemperatur kurzfristig unterschritten wird, denn sie entspricht dem SARS-COV-2-Arbeitsschutzstandard und der SARS-COV-2-Arbeitsschutzregel. In Abschnitt 4.2.3 (4) "Lüftung" heißt es dort:

„Die einfachste Form der Lüftung ist die Fensterlüftung. Eine Fensterlüftung muss bei Tätigkeitsaufnahme in den Räumen und dann in regelmäßigen Abständen erfolgen. Die ASR A3.6 empfiehlt einen zeitlichen Abstand zum Lüften beispielsweise von Büroräumen nach 60 Minuten und von Besprechungsräumen nach 20 Minuten. Diese Frequenz ist in der Zeit der Epidemie möglichst zu erhöhen. Eine sogenannte Stoßlüftung über die gesamte Öffnungsfläche der Fenster ist anzuwenden. Es wird eine Lüftungsdauer von 3 bis 10 Minuten empfohlen.“

Die  SARS-COV-2-Arbeitsschutzregel wurde in Zusammenarbeit mit den Arbeitsschutzausschüssen des BMAS (auch des Arbeitsstättenausschusses), den Ländern und den Unfallversicherungsträgern erstellt und stellt aktuell den „Stand der Technik“ dar.

Die Empfehlung, Klassenräume mindestens alle 20 Minuten zu lüften, dient der Orientierung. Die konkreten Lüftungsintervalle ergeben sich in Bezug auf Raumgröße, Anzahl der Personen und Alter der Schülerinnen.

Dazu ein Beispiel: Während ein Raum von 270 m3 mit 30 Schüler*innen nach 20-25 Minuten gelüftet werden muss, reicht beim gleichen Raum, der mit 10 Schüler*innen belegt ist, eine Lüftung nach etwa 45 Minuten aus. Bei diesen Berechnungen hilft die CO2-App (bitte verlinken) und bei der Überprüfung helfen CO2-Messgeräte. In der kalten Jahreszeit ist es weder notwendig noch ratsam, die Fenster während des Unterrichts ständig zu öffnen – und sei es auch nur in Kippstellung. Heizungsanlagen sollten grundsätzlich auf etwas höhere Temperaturen eingestellt werden, da bei überwiegend sitzender Tätigkeit etwas höhere Temperaturen angenehm sind, als sie in Tabelle 1 der ASR A3.5 angegeben sind.

Deshalb muss der Sachkostenträger im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung für den äußeren Schulbereich abwägen, ob ein Abweichen vom Lüftungsgebot der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel oder eine kurzfristige Unterschreitung der Raumtemperatur beim Lüften das höhere Risiko für die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler darstellt. Ausreichende Lüftung ist nach einhelliger Fachmeinung der beste Weg, die Konzentration virenbelasteter Aerosole in Arbeits- und Unterrichtsräumen zu minimieren und damit die Übertragung von COVID-19 zu verhindern. Gesundheitsschäden durch eine kurzfristige Unterschreitung der Raumtemperatur während der Lüftungspausen sind bislang nicht bekannt.

Daher ist aus Sicht der gesetzlichen Unfallversicherung die kurzzeitige Unterschreitung der Raumtemperatur während der Lüftungspausen und ein damit ggf. verbundenes Gefühl der Unbehaglichkeit durch die Schüler*innen und Lehrkräfte zu tolerieren.

Alle aktuellen Informationen zum Thema Lüften in der SARS-CoV-2-Epidemie hat die DGUV auf einer Sonderseite zusammengestellt. Weitere Informationen gibt das Umweltbundesamt.